Dieser Podcast ist aus der Reihe "Sounds of Science" aus dem Carl-Auer Verlag. Sabine Kröhn ist hier im Gespräch mit Matthias Ohler. Sie sprechen über Inhalte aus Sabines Buch.
Ausgangspunkt des Buchs „42 Systemische Hacks" von Sabine Kröhn sind die oft irritierenden Situationen, die jeder kennt, der in oder mit Organisationen arbeitet: Entscheidungen, die nicht wirken wie erwartet. Maßnahmen, die das Gegenteil bewirken. Lösungen, die neue Probleme erzeugen. Im Zentrum steht eine einfache, aber folgenreiche Unterscheidung: klassisches Organisationsverständnis versus systemtheoretisches Denken.
- Klassisch meint: Organisationen sind planbar, steuerbar, durchstrukturierbar – wer die richtigen Hebel zieht, erzielt die richtigen Ergebnisse.
- Systemtheoretisch meint: Organisationen sind soziale Systeme – mit eigener Logik, Eigendynamik und einer sozialen Dimension, die sich Durchsteuerung systematisch entzieht.
Genau dort, wo beide Verständnisse aufeinanderprallen, entstehen die typischen Reibungen im Führungsalltag.
Die beiden klären, was ein systemischer Hack ist
Sabine Kröhn erklärt, warum sie den Begriff „Hack" gewählt hat: Wie beim IT-Hacking geht es darum, in bestehende Denkmuster einzudringen und sie zu irritieren. Nicht mit abstrakten Modellen, sondern ausgehend von konkreten Sätzen und Situationen, die im Alltag jeder Führungskraft auftauchen. Jeder Hack endet mit einer klaren Empfehlung: was tun – was lassen. Bewusst paradox, denn: Die Hacks liefern keine Garantien, sie machen Lösungen wahrscheinlicher – und klassische Lösungsvorstellungen manchmal unwahrscheinlicher.
Drei Beispiele aus dem Buch
Das Gespräch macht drei Hacks konkret greifbar:
- Personal als unflexible Entscheidungsprämisse: Wer heute den bestqualifizierten Kandidaten einstellt, hat morgen vielleicht eine Fehlinvestition – weil sich die Anforderungen schneller verändern als Menschen. Lernfähigkeit schlägt Qualifikationsprofil.
- Informale Tauschmittel: Die kleinen Deals jenseits des Arbeitsvertrags – Sonderregelungen, interessante Projekte, Aufgaben nach Präferenz – sind kein Organisationsversagen, sondern ein notwendiges Schmiermittel. Wer sie formalisiert, zerstört ihre Wirkung.
- Werte einfordern oder Gegenwert stärken: Wer „Vertrauen" als Kulturwert ausruft, setzt genau das unter Beobachtung, was vorher selbstverständlich war. Wirksamer: Kontrollmechanismen gezielt reduzieren.
Im Gespräch wird deutlich: das Buch richtet sich an Führungskräfte und Berater:innen gleichermaßen. Es ist kein Theorielehrbuch – aber es setzt systemtheoretisches Denken konsequent in Praxis um. Rudolf Wimmer hat das Vorwort geschrieben und ordnet die Hacks in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang ein: Organisationen – ob Unternehmen, Schule oder Partei – tragen Verantwortung für den Umgang mit Komplexität. Wer das ernst nimmt, findet in diesem Buch 42 konkrete Einstiegspunkte.
Resümee
Für alle, die Führung, Beratung oder Veränderung nicht mit einfachen Antworten verwechseln wollen, liefert das Gespräch viele anschlussfähige Impulse.
Das zentrale Take-away: Systemisches Denken macht nicht alles einfacher – aber es verschafft dort Erleichterung, wo der Wunsch nach Eindeutigkeit sonst auf Kosten der Realität geht. Wer Organisations- und Steuerungslogik systemisch denkt, gewinnt Orientierung, Sprache und konkrete nächste Schritte.
Wer das ganze Gespräch hören will, abonniert unseren Podcast oder hört direkt auf der Seite rein.