Podcastfolge #37: Einführung in "42 systemische Hacks"

Warum Organisationen sich so hartnäckig gegen vernünftige Lösungen sperren

Warum scheitern gut durchdachte Veränderungsprozesse so oft – obwohl der Business Case stimmt, die Zahlen überzeugen und die Entscheidung rational kaum angreifbar ist? Und warum bemerken etablierte Unternehmen neue Wettbewerber erst, wenn es fast zu spät ist?

In dieser Folge von Antiintuitiv, dem Podcast für systemische Organisationsentwicklung, spricht Holger Schlichting mit Sabine Kröhn über ihr neues Buch „42 systemische Hacks – Unerwartete Lösungen für Führung und Organisationsberatung". Im Mittelpunkt steht die Frage, in welchen Fällen Erfahrungswissen genügt und wobei ein anderes, unerwartetes Denken weiter hilft?

Organisationen als Entscheidungssysteme

Der Podcast startet mit einer Provokation: Das klassische, rationalistische Bild der Organisation – klare Zwecke, messbare Ziele, planbare Umsetzung – greift zu kurz. Zu kurz, weil es das ausblendet, was täglich passiert: Mitarbeitende tun nicht das, was angewiesen wurde. Partner und Mitbewerber treffen überraschende Entscheidungen. Pläne gehen nicht auf. Und das, obwohl alles durchgerechnet wurde.

Sabine Kröhn folgt hier Niklas Luhmanns Organisationstheorie: Organisationen bestehen nicht aus Gebäuden, Maschinen oder Organigrammen – sondern aus Entscheidungen. Von Entscheidung zu Entscheidung. Und dieser Mechanismus folgt einer eigenen Logik, die sich externer Steuerung entzieht.

Die unbequeme Wahrheit: Operative Geschlossenheit

Ein zentrales Konzept des Buchs ist die operative Geschlossenheit sozialer Systeme  – und für viele Führungskräfte ist das tatsächlich keine erfreuliche Nachricht: Organisationen, Teams, Menschen lassen sich nicht von außen direkt steuern. Ein Gedanke lässt sich nicht einpflanzen. Der beste Business Case garantiert keine Zustimmung.

Das klingt zunächst nach Beliebigkeit. Ist es aber nicht. Der entscheidende Unterschied: Organisationen sind zwar nicht determinierbar, aber sehr wohl beeinflussbar. Und genau dort setzt das Buch an – mit 42 konkreten Hacks, die zeigen, wie man dennoch wirksam Einfluss nimmt.

Was ein gefaltetes Post-it mit Führung zu tun hat

Der Begriff „Hack" stammt ursprünglich aus der IT-Welt und meint heute vor allem: einen cleveren Workaround – eine Zweckentfremdung, die ein Problem auf unerwartete Weise löst. Das gefaltete Post-it unter dem Bohrloch, das den Staub auffängt, ist das einfachste Bild dafür.

Sabine Kröhn überträgt diese Idee auf Organisationsfragen: Statt in endlosen Kulturentwicklungsprogrammen oder teuren Beratungsprojekten zu verharren, gibt es oft einen schnelleren, ökonomischeren Zugang – wenn man bereit ist, anders über Organisationen nachzudenken.

Die Struktur des Buches – sechs Kapitel, ein roter Faden

Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert, die aufeinander aufbauen:

  1. Paradoxien – Warum Organisationen strukturell um Widersprüche herumgebaut sind
  2. Entscheidungsprämissen – Wie Ordnung in die Entscheidungsfülle kommt
  3. Kommunikativer Anschluss – Wie Einfluss gelingt, ohne zu verpuffen
  4. Führung und Kultur – Auf eine wahrscheinlich ungewohnte Art
  5. Selbstbeobachtung – Wie Organisationen mit sich selbst ins Gespräch kommen
  6. Veränderung – Und was mit dem passiert, was abgewählt wird

Für wen ist diese Folge – und das Buch – relevant?

Für alle, die in oder mit Organisationen arbeiten und sich fragen, warum Veränderungen so oft stocken, scheitern oder unerwartete Nebenwirkungen erzeugen. Das Buch – und dieser Podcast – liefern keine schnellen Antworten, aber ein besseres Framing für die richtigen Fragen.

42 systemische Hacks – Unerwartete Lösungen für Führung und Organisationsberatung" von Sabine Kröhn ist im Carl-Auer Verlag erschienen und direkt dort bestellbar.

Jetzt reinhören – und das nächste Mal anders auf Ihre Organisation schauen.