5 Tipps für Führungskräfte von morgen (und heute)

27.06.2023

Wirksam führen – 5 Fragen an Stephan Weißkopf

Welche Herausforderungen bringt Führung mit sich – für bestehende als auch für angehende Führungskräfte?

Die Herausforderung ist, das eigene Führungshandeln immer auf Wirksamkeit zu überprüfen, d.h. stetig zu reflektieren und bewusst zu führen. Oftmals führen wir auf eine bestimmte Art und Weise, weil wir es immer so gemacht haben, halten aber zu wenig inne, um nachzudenken, welche Wirkung wir damit auslösen. Führung ist bewusstes Handeln. Und die Herausforderung ist es, aus dem Unbewussten eine bewusste Entscheidung zu treffen.

Was sind die Kernaufgaben einer Führungskraft?

Führung hat zwei Komponenten: Auf der einen Seite steht die Personal- und Mitarbeiterführung. Aber als Führungskraft bin ich auch zuständig für den mir zugewiesenen Bereich (z.B. Abteilung). Sprenger bringt das auf den Punkt und sagt: eine Grundaufgabe der Führung ist es, die Existenz des eigenen Bereiches zu sichern. Dies kann gelingen, indem man einen stetigen Abgleich von Außen- und Innenperspektive vornimmt. Dabei ist die Außenperspektive das Kundenverhalten, die aktuelle Marktsituation und andere Umweltbedingungen. Der Blick nach innen richtet sich auf die eigene Organisation/Abteilung/Unternehmen. Als Führungskraft habe ich die Aufgabe, die Innenperspektive passend zur Außenperspektive aufstellen. D.h. mit anderen Worten: das strategische Ausrichten eines Unternehmens/einer Organisation/Abteilung ist die Aufgabe einer Führungskraft.

Wie wichtig ist es, den eigenen Führungsstil zu kennen und situativ anzupassen?

Der persönliche Führungsstil einer Person wird maßgeblich von ihrer Persönlichkeit geprägt, einschließlich der Art und Weise, wie sie Dinge wahrnimmt und gerne selbst geführt werden möchte. Jedoch ist es nicht immer möglich, dass der eigene Führungsstil in allen herausfordernden Situationen des Alltags wirksam ist. Daher ist es von großer Bedeutung, das Führungsrepertoire zu erweitern und je nach Situation passend einzusetzen. Dies bedeutet, dass eine Führungskraft in der Lage sein sollte, verschiedene Führungsansätze und -techniken anzuwenden, um den individuellen Anforderungen des Teams, der Aufgabe oder der Situation gerecht zu werden. 
Im ersten Modul der Weiterbildung „Grundlagen wirksamer Führung“ beschäftigen wir uns mit genau dieser Frage. Thema wird sein, auf die Verknüpfung der eigenen Persönlichkeit und des daraus entstehenden eigenen Führungsstils zu schauen. Die Aufgabe dieses Seminars sehe ich darin, die Möglichkeiten des Führungshandelns der Teilnehmenden zu erweitern, denn nicht in jeder Situation ist der einem eigenen Führungsstil angemessen.

Wie kann man mit den Paradoxien in der Führungsverantwortung umgehen?

Paradoxien in der Führungsverantwortung entstehen, wenn scheinbar widersprüchliche Anforderungen und Erwartungen auf den Führungsstil treffen. Um mit solchen Paradoxien umzugehen, können verschiedene Ansätze hilfreich sein:

  • Bewusstsein schaffen: Erkenne und akzeptiere, dass Paradoxien in der Führungsverantwortung normal sind und häufig auftreten. Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht immer möglich ist, alle Erwartungen zu erfüllen kann und dass es manchmal unmöglich ist, beiden Seiten gerecht zu werden.
  • Flexibilität entwickeln: Statt sich für eine bestimmte Herangehensweise zu entscheiden, versuche, flexibel und anpassungsfähig zu sein. Es ist wichtig, verschiedene Lösungen und Zugänge zu erkunden und je nach Kontext und Situation unterschiedliche Ansätze anzuwenden.
  • Kommunikation verbessern: Eine offene und transparente Kommunikation ist entscheidend, um mit Paradoxien umzugehen. Beteilige die Betroffenen und Teammitglieder an Diskussionen und Entscheidungsprozessen, um die widersprüchlichen Aspekte zu erklären und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
  • Synergien nutzen: Paradoxien sind oft eine Quelle für kreative Lösungen und Innovationen. Nutze diese Gelegenheit, um neue Wege zu erkunden und synergistische Lösungen zu finden, die beide Seiten eines Konflikts berücksichtigen.
  • Kontextualisieren: Berücksichtige den Kontext und das größere Ziel deiner Führungsverantwortung. Manchmal ist es notwendig, kurzfristige Kompromisse für langfristige Vorteile einzugehen. Denke langfristig und prüfe, ob die Entscheidung im größeren Interesse der Organisation, des Teams und der Mitarbeiter:innen liegt.
  • Selbstreflexion: Nimm dir Zeit für Selbstreflexion und -bewertung. Überprüfe regelmäßig deine eigenen Annahmen und Überzeugungen und hinterfrage, ob sie noch relevant sind oder angepasst werden müssen.

Letztendlich erfordert der Umgang mit Paradoxien in der Führungsverantwortung eine Kombination aus Flexibilität, Kommunikation, kontextuellem Denken und selbstreflexivem Verhalten. Es ist wichtig, dass Führungskräfte bereit sind, sich auf die Herausforderungen einzulassen und nach kreativen Lösungen zu suchen, die den unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden.

Wie gelingt die Motivation von Mitarbeitenden?

Ich persönlich bin kein Freund davon, Mitarbeitende über Anreizsysteme zu motivieren. Meine Grundannahme ist viel mehr: jede:r in der Organisation möchte es was sinnvolles tun und zum Erfolg der Organisation beitragen. In diesen Sinnzusammenhängen liegt für mich der Schlüssel für Motivation. Und als Führungskraft bin ich verantwortlich für die Kommunikation meinen Mitarbeitenden gegenüber: Insbesondere Erwartungen kommunizieren, Dinge verdeutlichen. Führungshandeln findet nicht so sehr im operativen Geschäft statt, sondern hat schon etwas von der strategischen Ausrichtung, von der oben die Rede war. Wichtig ist es, Partizipation möglich zu machen. Mitarbeitende sind nicht irgendwelche Befehlsempfänger, sondern wichtiger Teil der Organisation. Partizipation bedeutet aber nicht, dass keine Entscheidungen mehr getroffen werden, wenn sie getroffen werden müssen.