Wie kann man Innovation in Unternehmen fördern?

Warum Innovationsfähigkeit zur strategischen Überlebensfrage wird

Digitalisierung führt zu Verunsicherung auf unterschiedlichen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen. Langfristige Orientierungen fehlen in vielen Branchen zunehmend. Gegenwärtige Erfolge eines Unternehmens sichern die Existenz auf Dauer nicht mehr. Ein oft zitiertes Beispiel ist das finnische Unternehmen Nokia. Seit der Gründung im Jahr 1865, damals noch als Gummistiefelhersteller, entwickelte sich das Unternehmen Anfang der 1990er Jahre zum Weltmarktführer für Mobiltelefone. Den Wechsel in die Smartphone-Branche schaffte Nokia jedoch nicht. Andere Unternehmen wie Apple oder Samsung besetzten diesen Markt nahezu vollständig und verdrängten den ehemaligen Marktführer.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass Innovation nicht optional ist. Innovation in Unternehmen fördern heißt heute, die eigene Zukunftsfähigkeit systematisch abzusichern.

Innovation als Antwort auf strukturellen Wandel

Innovation ist in der digitalisierten Gesellschaft stark nachgefragt. Sie gilt als zentraler Hebel zur Bewältigung der Herausforderungen der modernen Wirtschaftswelt. Eine Umfrage der metalogikon – Gesellschaft zur Entwicklung und Erforschung unternehmerischer und sozialer Innovation – verdeutlicht den Stellenwert von Innovation. Rund die Hälfte der befragten Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen geben an, dass ihre Organisation in den kommenden Jahren einen besonderen Fokus auf den Ausbau und die Umsetzung von Innovationen legen sollte. Gleichzeitig zählen aktuell die Absicherung bestehender Märkte zu den dominierenden Themen.

Diese Gleichzeitigkeit von Bewahren und Erneuern zeigt ein zentrales Spannungsfeld moderner Organisationen. Innovation konkurriert mit Stabilität, und genau darin liegt die Herausforderung.

Organisationsentwicklung als Voraussetzung für Innovation

Der Fachverband Change Management des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater e.V. stellt im Positionspapier „Organisationsentwicklung ist so wichtig wie nie“ dar, dass sich Organisationen angesichts von Digitalisierung, demografischem Wandel und weiteren Megatrends verändern müssen, um überlebensfähig zu bleiben. Innovationen sollen wirtschaftliche Stabilität, Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Daniela Freudenthaler-Mayrhofer, Professorin für Innovation an der Fachhochschule Oberösterreich, formuliert es zugespitzt: Nur Unternehmen, die Innovation als Erfolgsfaktor verstehen, sichern ihre langfristige Erneuerungsfähigkeit. Innovation wird damit zur strategischen Kernaufgabe.

Innovation verlässt die F&E-Silos

Die Auseinandersetzung mit Innovation darf nicht auf Forschungs- und Entwicklungsabteilungen beschränkt bleiben. Sie muss Teil der gesamten Organisation werden. Innovationsfähigkeit entwickelt sich nicht isoliert, sondern durch das Zusammenspiel von Strategie, Struktur, Kultur und Führung.

In einer VUCA-Welt wird diese ganzheitliche Ausrichtung zur Überlebensstrategie. Innovation umfasst weit mehr als neue Produkte oder Dienstleistungen. Sie geht einher mit neuen Formen der Zusammenarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung. Ziel ist es, sich vom Wettbewerb abzuheben und gleichzeitig bestehende sowie neue Kund:innen dauerhaft zu binden.

Marktmechanismen erhöhen den Innovationsdruck

Die steigende Bedeutung von Innovation lässt sich auch durch strukturelle Marktveränderungen erklären. Dazu zählen:

  • verkürzte Produktlebenszyklen
  • sinkende Halbwertszeiten von Alleinstellungsmerkmalen
  • zunehmende Markttransparenz durch Digitalisierung
  • globaler Wettbewerbsdruck und schneller Preisverfall

Kund:innen können sich heute umfassend informieren, Angebote vergleichen und rasch zu alternativen Anbietern wechseln. Informationsasymmetrien lösen sich auf, während die Geschwindigkeit der Märkte zunimmt. Unternehmen geraten dadurch unter permanenten Anpassungsdruck.

Innovationsfähigkeit als organisationale Kompetenz

Innovationsfähigkeit lässt sich definieren als die Fähigkeit, Wissen und Ideen in neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse zu transformieren und daraus wirtschaftlichen Nutzen zu generieren. Zukunftsfähige Organisationen gehen jedoch weiter. Sie schaffen durch Innovation neue Werte, die über das bestehende Produktportfolio hinausreichen.

Innovation in Unternehmen fördern bedeutet daher nicht nur, Ideen zu generieren, sondern organisationale Voraussetzungen zu schaffen, damit diese Ideen wirksam werden können.

Warum Innovationsprozesse scheitern

Wenn Innovationsfähigkeit als Erfolgsrezept gilt, stellt sich die Frage, warum viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, nachhaltige Innovationsprozesse aufzubauen. In der Praxis zeigen sich immer wieder ähnliche Barrieren:

  • festgefahrene organisationale Strukturen
  • hohe Unsicherheit und fehlende Erfahrungswerte
  • starkes Vertrauen in bewährte Prozesse
  • Vermeidungsverhalten gegenüber Risiken
  • Angst vor Changeprozessen

Innovation bedeutet immer auch Abkehr von etablierten Mustern. Sie fordert bestehende Regeln, Normen und Routinen heraus. Das erzeugt Unsicherheit und Widerstand, insbesondere wenn der Nutzen nicht unmittelbar sichtbar ist.

Innovation als strategische Kernaufgabe

Um wirksam und nachhaltig zu sein, muss Innovation Teil der Unternehmensstrategie werden. Einzelne Projekte oder Methoden reichen nicht aus. Innovation braucht Richtung, klare Prioritäten und eine bewusste Entscheidung des Top-Managements.

Dabei geht es nicht darum, permanente Unruhe zu erzeugen. Vielmehr gilt es, Stabilität und Veränderung produktiv zu verbinden. Organisationen, denen dies gelingt, entwickeln eine höhere Anpassungsfähigkeit und Resilienz.

Methoden zur Förderung von Innovation

Die Nachfrage nach Ansätzen zur Steigerung der Innovationsfähigkeit nimmt kontinuierlich zu. Entsprechend vielfältig ist das Methodenspektrum. Design Thinking gewinnt an Popularität, weil es branchenübergreifend einsetzbar ist und ein nutzerzentriertes Mindset fördert.

Die Studie „HR-Report 2018: Schwerpunkt agile Organisationen auf dem Prüfstand“ zeigt, dass Design Thinking die am häufigsten eingesetzte agile Methode ist. Dicht gefolgt werden unter anderem:

  • Innovationslabore
  • Lean Startup
  • Scrum
  • Personal Kanban
  • Open Space Formate

Methoden können Orientierung geben. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch nur, wenn sie in bestehende Strukturen eingebettet und kulturell anschlussfähig sind.

Mentale Modelle als Innovationsbremse

Ein zentraler Hebel für Innovationsfähigkeit liegt in den mentalen Modellen der Organisation. Vergangene Erfolge prägen Denk- und Handlungsmuster. Diese müssen reflektiert und gegebenenfalls angepasst werden, um Neues zu ermöglichen.

Die Forscher des Hasso-Plattner-Institut kommen zu dem Schluss, dass sich nur durch die kontinuierliche Beobachtung von Kund:innen neue Geschäftsfelder entwickeln und bestehende beleben lassen. Innovation entsteht dort, wo Organisationen bereit sind, ihre Perspektiven zu hinterfragen.

Innovation als Teil der organisationalen DNA

Innovation entfaltet ihre volle Wirkung, wenn sie nicht als Sonderaufgabe, sondern als selbstverständlicher Bestandteil der Organisation verstanden wird. Der Innovationsgedanke wird zur DNA. In solchen Organisationen wird kontinuierlich gelernt, experimentiert und angepasst.

Innovation in Unternehmen fördern heißt dann, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Mitarbeitende Verantwortung übernehmen, Ideen einbringen und aus Erfahrungen lernen können.

Fazit: Innovation systematisch ermöglichen

Innovation ist kein Zufallsprodukt und keine Frage einzelner Genies. Sie ist das Ergebnis bewusster organisationaler Gestaltung. Unternehmen, die Innovation fördern wollen, müssen bereit sein, Strukturen, Kultur und Führung weiterzuentwickeln.

Wer Innovation als strategische Kernaufgabe versteht, erhöht nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit, sondern sichert die langfristige Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Technische Universität Dortmund.

  1. Attems, Rudy/Kronsteiner, Katharina/Lindenthal, Heinold (2011): Welche Rolle spielt Innovation in Unternehmen? Metalogikon, Wien
  2. Freudenthaler-Mayrhofer, Daniela/Sposato, Theresa (2017): Corporate Design Thinking. Springer Fachmedien
  3. Plattner, Hasso/Meinel, Christoph/Weinberg, Ulrich (2009): Design Thinking. FinanzBuch Verlag