Wie unterscheiden sich die Rollen bei interner und externer Organisationsberatung? Diese Frage wird uns regelmäßig durch Teilnehmende unserer Weiterbildung zur Systemischen Organisationsentwicklung gestellt. Hier können wir sagen, dass wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede sehen.
Interne und externe Organisationsberatung
Gemeinsam ist dem internen und externen Berater von Unternehmen, dass sie die Mitglieder von Organisationen anregen ins Gespräch zu kommen. Dabei geht es nicht nur darum über das WAS zu sprechen, sondern insbesondere über das WIE. Der Fachbegriff dafür ist Beobachtung 2. Ordnung. Der interne und externe Berater leitet zu folgenden Fragen an:
- Wie erzeugt die Organisation Erkenntnisse?
- Welche Methoden nutzt sie dafür und welche auch nicht?
- Wie erklärt sich die Organisation z.B. Erfolg, Misserfolg, stabile oder instabile Muster?
- Wohin wirft die Organisation regelmäßig ihren Suchscheinwerfer und wo bleibt es dunkel?
- Wie sehen die Strategien zur Bewältigung von Komplexität aus?
Vorteile interne Organisationsberater:innen
Sie haben den Vorteil, die Organisation in all ihren Facetten gut zu kennen und leichteren Zugriff auf relevante Informationen und Daten zu erhalten. Durch ihre Nähe zum Arbeitsalltag können sie sowohl alte als auch neu entstehende Muster kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum hinweg wahrnehmen. Gleichzeitig bringt eine langjährige Betriebszugehörigkeit jedoch die Gefahr einer zunehmenden Betriebsblindheit mit sich: Gewohnte Strukturen und Dynamiken werden schnell als selbstverständlich betrachtet, wodurch neue Perspektiven schwerer einzunehmen sind. Die bewusste Organisation von Beobachtung 2. Ordnung – also das systematische Reflektieren des eigenen Beobachtens – wird dadurch anspruchsvoller und erfordert gezielte Methoden sowie externe Impulse, um die gewohnte Sichtweise zu erweitern.
Vorteile externe Organisationsberater:innen
Externe Berater:innen sind nicht vorimprägniert und bringen einen frischen Blick auf organisationale Strukturen und Dynamiken mit. Das ist ein großer Vorteil von externen Berater:innen. Sie erhalten oft informelle Einblicke, die internen Mitarbeitenden verborgen bleiben, und können durch Vergleiche mit anderen Organisationen neue Perspektiven eröffnen. Ihre Außenperspektive ermöglicht es, blinde Flecken zu identifizieren, Tabus anzusprechen und Veränderungsprozesse unabhängig von internen Machtstrukturen zu begleiten. Zudem bringen sie methodisches Know-how und branchenübergreifende Erfahrung ein, die gezielt auf die Organisation übertragen werden kann.
Rollenzuschreibungen für Berater:innen
Um wirksam in Organisationen Einfluss nehmen zu können, braucht man passende Zuschreibungen, egal in welcher Rolle oder Funktion. Interne Berater:innen erhalten andere als externe. Zwar kann man die Rollenzuschreibungen nicht generalisieren, aber dennoch Schwerpunkte erkennen. Interne Berater:innen brauchen kein bis wenig Onboarding-Zeit, sind in der Regel günstiger, flexibler und kennen ihre Organisation. Bei brisanten strategischen Themen werden sie gerne dazu gezogen, weil heikle Themen im geschützten Rahmen bleiben.
Nachteil interner Unternehmensberater:innen
Anspruchsvoll wird es für die internen Berater:innen, dysfunktionale Muster und die damit einhergehenden Defizite besprechbar und bearbeitbar zu machen. Dann hat es der Prophet im eigenen Land oft schwer. Das Risiko sich ins Off zu schießen, darf nicht unterschätzt werden. Wer mal eine Zuschreibung als Besserwisser, Krawattenträger oder ähnliches erhalten hat, wird diese schwer wieder los. Anschlussfähig irritieren ist ein Drahtseilakt.
Es ist wichtig, sich seiner Zuschreibungen bewusst zu sein. Welche latenten und welche manifesten Funktionen soll man als Person bzw. in der Rolle als Beratung erfüllen? In wie vielen Rollen ist man überhaupt unterwegs? Als Berater:in, als Peer, als Vorgesetzte:r, als Betroffene:r oder Beteiligte:r, als Change Manager:in, als Projektleiter:in.
Worauf interne Berater:innen in Unternehmen achten sollten!
- Rollendiversität braucht professionelles Abgrenzen. Aktives Ausflaggen der gerade innehabenden (formalen und informalen) Rolle ist zentral. Wer zu schnell die Rollen wechselt, läuft Gefahr, dass die Rollenklarheit verklumpt.
- Unterscheiden, wann und wofür man verantwortlich ist i.S. von Entscheidungen treffen.
Worauf externe Berater:innen in Unternehmen achten sollten:
- Die Freiheiten, die man als Externe:r erhält, nutzen, um anschlussfähig zu bleiben. Der Spielraum ist größer als bei Internen.
- Sich intensiv mit den Routinen, Erzählungen, der Geschichte der Organisation beschäftigen und Entwicklungen und Lernprozesse beobachtbar machen und selbst beobachten.