Gesellschaftlicher Wandel und die Bedeutung von Ambidextrie für Unternehmen
Organisationen stehen heute vor einem dynamischen und komplexen Umfeld, das häufig mit dem Akronym VUCA (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) beschrieben wird. Das Marktumfeld wird zunehmend komplexer; die digitale Transformation verändert Unternehmen aller Branchen, in der die Megatrends als Veränderungsbeschleuniger wirken. Es kommt zu zahlreichen Veränderungen am Markt und im Wettbewerb, kürzeren Produktlebenszyklen, steigenden Serviceanforderungen und potenziellen neuen Wettbewerbern. Die digitale Transformation und Megatrends beschleunigen diesen Wandel und führen zu:
- Komplexeren Marktbedingungen
- Kürzeren Produktlebenszyklen
- Höheren Serviceanforderungen
- Neuen Wettbewerbern, die flexibel und schnell auf Kundenbedürfnisse reagieren
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Ambidextrie als Fähigkeit von Unternehmen an Bedeutung. Es heißt, sich erfolgreich an diese Veränderungen anzupassen.
Um erfolgreich zu bleiben, müssen sich Organisationen den veränderten Umweltbedingungen anpassen. Das bedeutet eine Balance aus Prozessoptimierung und Innovationsausrichtung. In der Organisationsforschung wird dieses Phänomen als organisationale Ambidextrie bezeichnet (vgl. Duwe 2018, S. 24).
Was bedeutet organisationale Ambidextrie? Begriff & Bedeutung
Der Begriff Ambidextrie bedeutet wörtlich „Beidhändigkeit“ – die Fähigkeit, beide Hände gleichermaßen gut einzusetzen (vgl. Welpe/Brosi/Schwarzmüller 2018, S. 32). Übertragen auf Organisationen beschreibt organisationale Ambidextrie die Fähigkeit, zwei unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Aktivitäten gleichzeitig zu meistern:
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Exploration:
- Suche nach neuen Ideen, Innovationen und Märkten
- Entwicklung revolutionärer Produkte und Dienstleistungen
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Exploitation:
- Optimierung und Weiterentwicklung bestehender Produkte und Prozesse
- Effizienzsteigerung und Gewinnmaximierung im aktuellen Geschäftsfeld
Die Exploration beschäftigt sich also mit der Frage, wie Organiatonen innovativ sein können und wie revolutionäre Produkte oder Dienstleistungen entstehen. Die Exploration hingegen zielt auf die Erkundung und Erschließung von Neuem und Flexibilität im Hinblick auf die veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen ab – die Exploration ist somit auf das Zukunftsgeschäft ausgerichtet.
Unter Exploitation versteht sich die evolutionäre und inkrementelle (Weiter-)Entwicklung von bereits vorhandenen Produkten. Die Exploitation ist auf das gegenwärtige Geschäftsfeld fokussiert und beinhaltet die Effizienzerhöhung und Verbesserung des Bestehenden.
Die Bedeutung von Ambidextrie liegt darin, dass Unternehmen durch die gleichzeitige Nutzung beider Ansätze ihre Innovationskraft und Effizienz steigern können. Tushman und O’Reilly definieren organisationale Ambidextrie als die Fähigkeit, inkrementelle und disruptive Innovationen gleichzeitig zu vereinen (vgl. Duwe 2018, S. 24).
Warum Ambidextrie für Unternehmen unverzichtbar ist
Die Ambidextrie Bedeutung zeigt sich vor allem darin, dass Unternehmen in einer schnelllebigen und unsicheren Umwelt:
- Flexibel auf neue Chancen und Risiken reagieren können
- Ihre Innovationskraft durch Exploration neuer Geschäftsfelder stärken
- Gleichzeitig die Effizienz durch kontinuierliche Verbesserung bestehender Prozesse erhöhen
- So ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern
Ohne Ambidextrie riskieren Unternehmen, entweder in der Optimierung des Bestehenden stecken zu bleiben oder sich zu sehr auf riskante Innovationen zu fokussieren, ohne das Kerngeschäft zu stabilisieren.
Warum ist die Ambidextrie Bedeutung in der Praxis so hoch?
In der Praxis ist die Fähigkeit zur Ambidextrie ein entscheidender Erfolgsfaktor. Organisationen müssen:
- Das bestehende Geschäft effizient weiterentwickeln (Exploitation)
- Gleichzeitig neue Geschäftsfelder und Innovationen erkunden (Exploration)
Nur so bleiben sie wettbewerbsfähig und können auf Marktveränderungen angemessen reagieren. Schmidt und Sackmann (2018, S. 9) betonen, dass organisationale Ambidextrie zum Überlebensfaktor wird, da Unternehmen parallel strategischen Wandel gestalten und operative Exzellenz sichern müssen.
Die Rolle der Führung in der Ambidextrie
Die beidhändige Organisation schafft es, Exporation und Exploitation als Konzepte miteinander zu vereinen. Dafür benötigt es Führungskräfte, die sich auf die widersprüchlichen Anforderungen beider Seiten einlassen. Sie müssen für die Organisation entscheiden, welche Richtung eingeschlagen werden soll. Nur so können sie den Weg der Zukunftsfähigkeit beschreiten. Beidhändig führende Führungskräfte vereinen exploratives und exploitatives Lernen (vgl. Welpe/Brosi/Schwarzmüller 2018, S. 36) und fördern durch eine Vorbildrolle die Ambidextriefähigkeit ihrer Mitarbeiter:innen.
- Die widersprüchlichen Anforderungen von Exploration und Exploitation verstehen und ausbalancieren
- Strategische Entscheidungen treffen, welche Richtung die Organisation einschlagen soll
- Durch ihre Vorbildfunktion das ambidextre Lernen ihrer Mitarbeiter:innen fördern
Beidhändig führende Führungskräfte verbinden exploratives und exploitatives Lernen und schaffen so die Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Organisation (vgl. Welpe/Brosi/Schwarzmüller 2018, S. 36).
Ambidextrie: Bedeutung als Schlüssel zum Unternehmenserfolg
Zusammenfassend zeigt die Ambidextrie Bedeutung, dass nur Unternehmen, die gleichzeitig Innovationen fördern und bestehende Prozesse optimieren, langfristig erfolgreich und wettbewerbsfähig bleiben. In der VUCA-Welt ist Ambidextrie ein zentraler Erfolgsfaktor, der durch eine ambidextre Führungskultur maßgeblich unterstützt wird.
Literatur
- Duwe, Julia (2018): Beidhändige Führung. Wie Sie als Führungskraft in großen Organisationen Innovationssprünge ermöglichen. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag.
- Schmidt, Claudia / Sackmann, Sonja (2018): Change Fitness Studie 2018. Ambidextrie: mit beiden Händen Organisationen verändern. Die Gleichzeitigkeit von Innovationsorientierung und Prozessverbesserung effektiv bewältigen. Mutaree
- Welpe, Isabell / Brosi, Prisca / Schwarzmüller, Tanja (2018): Digital Work Design. Die Big Five für Arbeit, Führung und Organisation im digitalen Zeitalter. Frankfurt/New York: Campus.