Eine Resonanzgruppe ist eine gute Methode, um eine Organisation mit sich selbst ins Gespräch zu bringen. Sie nimmt die Resonanzen der Organisation wie verdeckte Themen oder hinderliche Muster auf. Aber sie filtert diese auch, bearbeitet sie und gibt sie als Empfehlung oder Handlungsoption an die Organisation zurück. Immer mit der Absicht, ein vorgegebenes Businessziel erreichen zu können.
Die Vorteile einer Resonanzgruppe
Allzu oft scheitern Veränderungsprozesse in Unternehmen an den Widerständen ihrer Organisationsmitglieder. Oft wirken diese Widerstände unbewusst und im Verborgenen. Manchmal sind sie auch bekannt, nur nicht bei der oberen Führungsebene. Eine Resonanzgruppe macht diese Widerstände besprechbar.
Die Resonanzgruppe ist ein Mini-Format eines Unternehmens
Eine Resonanzgruppe besteht aus einem repräsentativen Querschnitt der Organisation. Vertreten sind einerseits alle Hierarchieebenen, andererseits auch alle Funktionen und Bereiche eines Unternehmens. Ausgewählt werden die Mitarbeiter querschnittsorientiert, sodass sie unterschiedliche Sichtweisen und Blickwinkel mitbringen. Dabei sind nicht nur die High Potentials, sondern auch „Querköpfe“, Leute, die eine andere Meinung haben, die nicht immer einfach sind im Umgang. So ist eine hohe Diversität vorhanden. Dies kann auch Nachteile haben, weil dadurch die Zusammenarbeit erstmal schwieriger ist. Die Grundidee einer Resonanzgruppe ist es, mit der Gruppe ein möglichst ähnliches Stimmungsbild abzubilden wie im Unternehmen.
Wer gehört in die Resonanzgruppe
- alle Hierarchieebenen
- hohe Diversität der Meinungen
- alle Funktionen und Bereiche
- unterschiedliche Sichtweisen und Blickwinkel
- High Potentials
- Leute mit anderer Meinung
Ziel der Resonanzgruppe
Die Aufgabe der Resonanzgruppe ist es, betriebliche Themen aufzugreifen, zu bearbeiten und ein Businessziel, das ein Unternehmen definiert hat, schneller umzusetzen. Dabei hat sie vor allem einen beratenden und aufdeckenden Charakter, weniger einen umsetzenden oder operativ tätigen. Dies ist gleichzeitig die Herausforderung einer Resonanzgruppe. Sie muss zwischen den Polen „beratend“ und „umsetzend-operativ tätig“ eine Balance finden.
- Unternehmensziele schneller umsetzen
- Beratend im Unternehmen tätig sein
- hinderliche Muster im Unternehmen aufdecken
Vertrauen als Grundlage der Gruppe
Damit eine Resonanzgruppe erfolgreich ist, muss ein hohes Vertrauen unter den Teilnehmenden vorhanden sein, insbesondere in Richtung des Top-Managements. Aber auch umgekehrt. Das, was besprochen wird, darf nicht zum Nachteil für denjenigen werden, der dasitzt, beziehungsweise für denjenigen, der Gesprächsthema ist. Da braucht man eine hohe Vertrauenskultur, die in der Resonanzgruppe erarbeitet werden muss.
Vorbereitung - Weiterbildung
Die Führungskraft, die Teil der Resonanzgruppe ist, sollte bestenfalls eine mehrtägige systemische Weiterbildung absolviert haben oder eine gruppendynamische. Beides ist von Vorteil, weil es an ganz vielen Stellen darum geht, in Organisationen andere Formen der Zusammenarbeit zu etablieren. Die Resonanzgruppe ist ein Instrument, das die Organisation empowert. Die Verantwortung wird auf viele Schultern verteilt, weil alle Ebenen der Organisation aufgefordert sind, an der Problemlösung mitzuwirken – insbesondere an anspruchsvollen Problemlösungen.
Der Ablauf einer Resonanzgruppe
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Rahmen und Organisation
Regelmäßige Treffen: einmal im Monat, ca. acht Stunden, moderiert durch externe systemische Berater:innen
Rolle der Moderation: Blick auf Narrative und Muster, Verknüpfung mit Fachthemen und Projekten, bisher unausgesprochene Themen sprachfähig machen
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Themenauswahl
Prozess: Themenauswahl erfolgt bei jedem Treffen neu durch die Teilnehmenden; Orientierung an übergeordneten Businesszielen (z. B. Umsatzsteigerung, Durchlaufzeiten verbessern)
Fragestellung: „Inwieweit unterstützt mein Thema das Businessziel?“
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Priorisierung der Themen
Visualisierung auf einem Graphen:
Einschätzung des Themeneinbringers: einfach ↔ komplex
Beitrag zur Zielerreichung: niedrig ↔ sehr hoch
Gemeinsame Selektion: Auswahl von 1–2 Themen pro Treffen; Analyse zugrunde liegender Probleme; mögliche Entwicklung von Lösungen
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Arbeitsweise und Entscheidungscharakte
Offizielle Rolle: Beratungsgremium
Faktisch: oft entstehen Vorentscheidungen
Einbindung der Hierarchie: Führungskräfte sind häufig anwesend, Entscheidungen werden bei Bedarf nachträglich abgestimmt, Verantwortlichkeiten bleiben bestehen.
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Themenbandbreite
Beispiele: kleine Alltagsprobleme („In der Küche ist es immer so dreckig“), komplexe Herausforderungen („Wie schaffen wir es, ein anspruchsvolles Produkt mit unseren Anlagen herzustellen?“)
Relevanz: Oft müssen zunächst kleinere Themen bearbeitet werden, bevor große Herausforderungen angegangen werden können.
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Laufzeit und Gruppendynamik
Dauer: Resonanzgruppe endet, sobald das Businessziel erreicht ist; meist 2–3 Jahre Laufzeit
Konstanz: stabile Gruppenzusammensetzung fördert Vertraulichkeit und hohe Arbeitsfähigkeit
Der Nutzen einer Resonanzgruppe
Es hat einen spürbaren Effekt, wenn Mitarbeitende erleben, dass Führungskräfte bereit sind, Entscheidungen nicht nur im Top-Management zu treffen, sondern durch die Resonanzgruppe hindurch zu diskutieren. Das führt langfristig zu einer Haltungsänderung:
- Mitarbeitende identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen
- Sie werden nicht mehr nur als Ausführende gesehen, sondern als Mitgestaltende
- Verantwortung wird nicht nur übernommen – sie wird auch aktiv gewollt
Resonanzgruppen in Veränderungsprozessen
Gerade bei großen Projekten, die mit Einschnitten verbunden sind, zeigt sich der Wert der Resonanzgruppe:
- Frühzeitige Identifikation sensibler Themen
- Reduzierung von Widerstand, da Betroffene zu Beteiligten werden
- Veränderungen werden handhabbarer und akzeptierter
Nachhaltiges Lernen und Problemlösen
Während die Resonanzgruppe in erster Linie Businessziele unterstützt, entsteht parallel ein zweiter Effekt: Die Organisation entwickelt neue Kompetenzen im Umgang mit Herausforderungen.
- Probleme werden schneller erkannt
- Sie werden reflektierter und systemischer betrachtet
- Die kollektive Problemlösefähigkeit steigt
Das Ergebnis: eine Organisation, die kontinuierlich lernfähig bleibt und ihre Zukunftsfähigkeit stärkt.
Resonanzgruppen verbinden das Konkrete mit dem Strategischen. Sie erhöhen die Qualität von Entscheidungen, fördern Beteiligung, schaffen Identifikation und machen Unternehmen langfristig anpassungs- und zukunftsfähig.
Zum Thema Resonanzgruppe gibt es einen weiteren Artikel im Blog: Wertschätzende Kommunikation statt Meckerkultur